Demenz verstehen: Ursachen, Formen und Symptome einfach erklärt

Was ist Demenz? Verstehen Sie die häufigsten Formen (Alzheimer, vaskuläre Demenz, Lewy-Körper, frontotemporale Demenz), Ursachen und frühe Anzeichen – verständlich erklärt für Angehörige.

DEMENZ VERSTEHEN

KraftWald

12/28/20255 min lesen

Demenz verstehen: Was passiert im Gehirn?

Beitrag 6

🌿Wenn ein Wort Unsicherheit auslöst

Das Wort „Demenz" löst bei vielen Menschen Unsicherheit aus. Oft liegt das daran, dass wir nicht genau wissen, was dahintersteht. Vielleicht haben Sie gerade eine Diagnose erhalten – für sich selbst oder einen geliebten Menschen. Vielleicht bemerken Sie Veränderungen und suchen nach Antworten.

Dieser Beitrag möchte Orientierung geben – ruhig, verständlich und ohne Druck. Er erklärt, was Demenz bedeutet, welche Veränderungen auftreten können und wie die verschiedenen Formen sich unterscheiden.

Wissen schafft Klarheit. Und Klarheit kann Angst nehmen.

🌿 Was bedeutet Demenz eigentlich?

Demenz ist keine einzelne Krankheit. Sie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Veränderungen im Gehirn – wie ein Dach, unter dem mehrere Formen zusammenkommen.

Gemeinsam ist ihnen:

  • Fähigkeiten wie Denken, Erinnern oder Orientierung lassen nach

  • Diese Veränderungen beeinflussen den Alltag spürbar

  • Es geht nicht um normale Altersvergesslichkeit, sondern um fortschreitende Einschränkungen

Wichtig zu verstehen: Demenz ist nicht:

  • Eine normale Alterserscheinung (nur 5-8% der über 65-Jährigen entwickeln eine Demenz)

  • Einfach „Vergesslichkeit" (der Unterschied ist deutlich)

  • Eine psychische Erkrankung (es sind körperliche Veränderungen im Gehirn)

Wer sich unsicher ist, worin der Unterschied zwischen normaler Vergesslichkeit und Demenz liegt, findet in Beitrag 5: Vergesslichkeit oder Demenz? Wann Sie sich Sorgen machen sollten eine behutsame Einordnung.

🌿 Was passiert im Gehirn?

Um Demenz zu verstehen, hilft ein Blick ins Gehirn:

Unser Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die miteinander in Verbindung stehen. Diese Zellen kommunizieren ständig, geben Informationen weiter und ermöglichen uns zu denken, zu erinnern, zu planen und zu handeln.

Bei einer Demenz:

  • Werden einige dieser Nervenzellen geschädigt oder gehen verloren

  • Verbindungen zwischen den Zellen werden unterbrochen

  • Informationen können nicht mehr so zuverlässig weitergegeben werden wie früher

  • Je nachdem, welche Bereiche betroffen sind, zeigen sich unterschiedliche Symptome

Welche Fähigkeiten betroffen sind, hängt davon ab, wo im Gehirn diese Veränderungen stattfinden:

  • Schläfenlappen (Temporal): Gedächtnis und Sprache

  • Stirnlappen (Frontal): Planung, Persönlichkeit, Verhalten

  • Scheitellappen (Parietal): Räumliche Orientierung

  • Hinterhauptlappen (Okzipital): Sehen und visuelle Wahrnehmung

Die Ursachen für diese Veränderungen sind unterschiedlich – manchmal spielen Ablagerungen eine Rolle (wie bei Alzheimer), manchmal Durchblutungsstörungen (wie bei vaskulärer Demenz) oder andere Prozesse.

🌿 Die häufigsten Formen der Demenz

Es gibt über 50 verschiedene Arten von Demenz. Hier ein ruhiger Überblick über die vier häufigsten:

🌼 1. Alzheimer-Demenz (60-70% aller Fälle)

Was passiert:
Bestimmte Eiweißablagerungen (Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) sammeln sich im Gehirn an und schädigen die Nervenzellen. Besonders betroffen ist zunächst der Hippocampus – der Teil des Gehirns, der für neue Erinnerungen zuständig ist.

Typische Anzeichen:

  • Gedächtnisprobleme stehen im Vordergrund, besonders Kurzzeitgedächtnis

  • Entwickelt sich meist schleichend über Jahre

  • Orientierungsprobleme (Zeit, Ort)

  • Wortfindungsstörungen nehmen zu

  • Schwierigkeiten, Neues zu lernen

Verlauf: Langsam fortschreitend, aber kontinuierlich

🌼 2. Vaskuläre Demenz (15-20% aller Fälle)

Was passiert:
Durchblutungsstörungen im Gehirn führen dazu, dass Nervenzellen nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Oft entsteht sie nach mehreren kleinen Schlaganfällen oder durch chronische Durchblutungsprobleme.

Typische Anzeichen:

  • Verlauf kann stufenweise sein (plötzliche Verschlechterungen)

  • Probleme mit Planung und Entscheidungen

  • Verlangsamtes Denken

  • Stimmungsschwankungen

  • Gehschwierigkeiten oder Gleichgewichtsprobleme

Besonderheit: Manchmal kann der Verlauf durch Behandlung der Grunderkrankung (Bluthochdruck, Diabetes) verlangsamt werden.

🌼 3. Lewy-Körper-Demenz (10-15% aller Fälle)

Was passiert:
Bestimmte Eiweißablagerungen (Lewy-Körperchen) beeinflussen die Nervenzellen im Gehirn. Sie ähnelt in manchen Aspekten der Parkinson-Erkrankung.

Typische Anzeichen:

  • Schwankende Aufmerksamkeit und Wachheit (von Tag zu Tag unterschiedlich)

  • Visuelle Halluzinationen (Dinge sehen, die nicht da sind)

  • Bewegungsprobleme ähnlich wie bei Parkinson (Steifheit, Zittern)

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung (lebhafte Träume ausagieren)

  • Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten

Besonderheit: Das Gedächtnis bleibt oft länger erhalten als bei Alzheimer, aber Aufmerksamkeit und visuelle Wahrnehmung sind früher betroffen.

🌼 4. Frontotemporale Demenz (5-10% aller Fälle)

Was passiert:
Betrifft vor allem den vorderen und seitlichen Teil des Gehirns (Stirn- und Schläfenlappen). Tritt oft früher auf als andere Demenzformen (zwischen 45-65 Jahren).

Typische Anzeichen:

  • Veränderungen in Persönlichkeit und Verhalten stehen im Vordergrund

  • Verlust von Hemmungen oder sozialem Taktgefühl

  • Apathie oder fehlendes Interesse

  • Sprachprobleme (je nach betroffener Region)

  • Gedächtnis bleibt anfangs oft relativ gut erhalten

Besonderheit: Weil Verhalten und Persönlichkeit sich verändern, wird diese Form manchmal zunächst mit psychischen Erkrankungen verwechselt.

🌿 Mischformen und andere Demenzarten

Wichtig zu wissen: Etwa 10-20% der Menschen mit Demenz haben Mischformen – am häufigsten eine Kombination aus Alzheimer und vaskulärer Demenz.

Weitere, seltenere Formen:

  • Alkoholbedingte Demenz (durch langfristigen Alkoholmissbrauch)

  • Demenz bei Parkinson-Erkrankung

  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (sehr selten, schnell fortschreitend)

  • Demenz bei Huntington-Krankheit (erblich bedingt)

🌿 Woran kann man Veränderungen erkennen?

Demenz entwickelt sich meist langsam – oft über Monate oder Jahre. Die Anzeichen sind individuell und hängen von der Form ab, doch einige treten häufiger auf:

Häufige frühe Anzeichen:

📍 Gedächtnisveränderungen

  • Besonders das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen

  • Wiederholte Fragen stellen

  • Kürzlich geführte Gespräche werden vergessen

  • Wichtige Termine oder Ereignisse entfallen

📍 Schwierigkeiten bei vertrauten Aufgaben

  • Kochen nach einem bekannten Rezept wird plötzlich schwierig

  • Bedienung vertrauter Geräte gelingt nicht mehr

  • Gewohnte Wege oder Abläufe werden vergessen

    Wenn vertraute Handgriffe schwerfallen, können kleine Beschäftigungen helfen – mehr dazu in Beitrag 2: Von der Unruhe zur Ruhe

📍 Sprach- und Wortfindungsprobleme

  • Häufige Pausen im Gespräch

  • Umschreibungen statt konkreter Wörter („das Ding da")

  • Schwierigkeiten, Gedanken in Worte zu fassen

📍 Orientierungslosigkeit

  • Zeit: Welcher Tag, Monat oder Jahr ist es?

  • Ort: Sich in bekannter Umgebung verlaufen

  • Situation: Nicht verstehen, was gerade passiert

📍 Veränderungen im Wesen

📍 Probleme mit Planung und Urteilsvermögen

  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen

  • Probleme mit Finanzen oder Rechnungen

  • Unangemessene Entscheidungen (z.B. unpassende Kleidung bei Wetter)

Wichtig: Diese Zeichen bedeuten nicht automatisch Demenz. Sie sind Hinweise, die man aufmerksam und liebevoll beobachten darf. Viele andere Ursachen (Medikamente, Depression, Vitaminmangel, Schilddrüsenprobleme) können ähnliche Symptome verursachen.

Bei Unsicherheit: Ärztlicher Rat schafft Klarheit. Je früher eine Diagnose erfolgt, desto besser können Betroffene und Angehörige planen und Unterstützung erhalten.

🌿 Was bedeutet die Diagnose?

Eine Demenzdiagnose ist ein einschneidender Moment. Doch sie ist auch der Anfang von Klarheit:

Was eine Diagnose ermöglicht:

  • Zugang zu Behandlungen, die den Verlauf verlangsamen können

  • Frühe Planung für die Zukunft (rechtlich, finanziell, persönlich)

  • Verständnis für Veränderungen im Verhalten

  • Zugang zu Unterstützungsangeboten und Beratung

  • Zeit, Wünsche und Präferenzen festzuhalten, solange das noch möglich ist

Unabhängig von der Form können vertraute Tätigkeiten und sanfte Impulse – wie in Beitrag 4: Kreative Tätigkeiten bei Demenz beschrieben – Sicherheit geben, Selbstständigkeit unterstützen und Momente von Freude schaffen.

Auch Beitrag 1: Vertraute Momente schenken – Warum Vertrautheit bei Demenz so wichtig ist zeigt, wie bekannte Rituale, Gerüche und Tätigkeiten Orientierung und Ruhe schenken können.

🌼 Der nächste Schritt: Unterstützung im Alltag

Demenz zu verstehen ist der erste Schritt. Doch der Alltag mit Demenz bringt eigene Herausforderungen – für die betroffene Person und besonders für betreuende Angehörige.

Wenn Sie als Angehöriger nach praktischer Unterstützung, emotionaler Entlastung und kleinen Schritten für den Alltag suchen, lesen Sie:

👉 Beitrag 12: Demenz verstehen – sanfte Orientierung für Angehörige

Dort finden Sie sanfte Impulse für Routinen, Selbstfürsorge und das Loslassen von Perfektion – Themen, die im täglichen Begleiten von Menschen mit Demenz entscheidend sind.

🔗 Weiterführende Beiträge

👉 Weiter: Beitrag 7: Demenz verstehen – sanfte Orientierung für Angehörige

👈 Zurück: Beitrag 5: Vergesslichkeit oder Demenz? Wann Sie sich Sorgen machen sollten

Ältere Person  und Angehöriger betrachten gemeinsam einen einfachen Leitfaden, um Demenz zu verstehen
Ältere Person  und Angehöriger betrachten gemeinsam einen einfachen Leitfaden, um Demenz zu verstehen